Leihgabe Defregger-Gemälde an das Tiroler Landesmuseum und Restauration

Für die Sonderausstellung „Defregger. Mythos - Missbrauch - Moderne“ (18.12.2020 –16.05.2021) des Ferdinandeums in Innsbruck lieh die Forchhammer-Stiftung dem Museum das Gemälde „Die Anbetung der Hirten“ von Franz von Defregger (1835 – 1921).

Für die Ausstellung wurden sowohl das Gemälde als auch sein barocker Rahmen in hervorragender Weise von den Restauratoren des Sammlungs- und Forschungszentrums der Tiroler Landesmuseen restauriert.

Beim Auspacken des Gemäldes erlangten diese einen ersten Eindruck davon, welche Restaurierungsmaßnahmen nötig sein werden:

Auspacken des Gemäldes und Ersteinschätzung des Zustandes

Am Montag, den 27.07.2020, wurde das Gemälde unter Aufsicht von Chef-Restauratorin Dr. Laura Resenberg, Sammlungsmanagerin Annette Lill-Rastern und Bereichsleiter und Kustos der Älteren Kunstgeschichtlichen Sammlungen Dr. Peter Scholz im Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen ausgepackt.

Hierbei wurde es zunächst mit der Vorderseite nach unten auf einem Tisch platziert, um eine erste Einschätzung zum Zustand des Gemäldes zu erlangen. Die Rückseite wurde mit besonderem Augenmerk auf Aufkleber von Galerien sowie Vermerke über ehemalige Besitzer fotografiert.

Da Rahmen und Gemälde jeweils einzeln vermessen werden, wurde das bereits locker sitzende Gemälde aus dem Rahmen gehoben, aufgestellt und anschließend mit einer Taschenlampe inspiziert. Hierbei wurde festgestellt, dass eine Oberflächenreinigung benötigt wird, um dem Gemälde seine Leuchtkraft zurückzugeben. Ebenso wurde eine Ölmitteldampfbehandlung in Betracht gezogen, da eine Krepierung im Firnis festzustellen war, was an einer gelblichen Intransparenz zu erkennen ist. Diese oberflächliche Schädigung entstand wahrscheinlich durch Feuchtigkeit auf dem Firnis. Durch die Ölmitteldampfbehandlung soll versucht werden, die Stelle wieder transparent zu machen.

Darüber hinaus wurde der ausgezeichnete Zustand der Oberfläche betont, es gebe keine Fehlstellen oder Löcher, lediglich kleine Bereibungen.

Hinsichtlich des barocken Rahmens wurde beschlossen, ihn einzutönen sowie lose Stellen zu leimen, da einige Ausbrüche vorhanden waren.

Nachdem das Gemälde bisher nicht öffentlich bekannt bzw. unter Defreggers Arbeiten gelistet war, ist die Signatur besonders wichtig und wurde gesondert von den Expert*innen fotografiert.

Bedeutsamkeit des Motivs und Platzierung in der Ausstellung

Wie der Titel bereits vermuten lässt, zeigt „Die Anbetung der Hirten“ sich vor dem Jesuskind in Anbetung verneigende Hirten. Franz von Defregger wuchs in einem konservativ katholischen Elternhaus auf und war selbst ein gläubiger Mann. Gerade deshalb ist es verwunderlich, dass nur sehr wenige - etwa ein Dutzend - religiöse Gemälde von ihm existieren. Einige dieser Gemälde können zudem nicht als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden, so z. B. das Altarbild Heilige Familie“ der Kirche in Dölsach, Tirol.

Die Seltenheit sowie die Größe des Gemäldes „Die Anbetung der Hirten“, macht dieses zu einem besonderen Kunstwerk Defreggers. Das Gemälde samt Rahmen misst knappe zwei Meter in der Höhe sowie 1,62 Meter in der Breite und ist damit das größte religiöse Gemälde der Ausstellung.

Von diesem Gemälde gibt es noch eine weitere Version, was nicht untypisch für den Künstler war. Leider lässt sich weder feststellen, welches der beiden Bilder zuerst gemalt wurde, noch ob die Jahreszahl der Entstehung des anderen Kunstwerks mit der des unseren übereinstimmt. Defregger malte nämlich manchmal auch zehn Jahre später neue Versionen seiner bereits erschaffenen Gemälde – etwa dann, wenn eine gezielte Anfrage vorlag.

In der Sonderausstellung „Defregger. Mythos - Missbrauch - Moderne“ wird „Die Anbetung der Hirten“ in Opposition zu Mathias Schmid gezeigt. Franz von Defregger, Mathias Schmid und Alois Gabel galten als das „Tiroler Kleeblatt“, da die Maler alle aus der gleichen Region stammten. Während Defregger aber seine Klientel bedienen und mit seiner Kunst niemanden verletzen wollte, war Schmid als sozialkritischer Maler bekannt. Schmids Werk „Auszug der Zillertaler Protestanten“ zeigt die Zillertaler Protestanten, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit vertrieben wurden und anschließend Asyl in Preußen suchten.

"Defregger. Mythos - Missbrauch - Moderne"

Die letzte große Defregger-Ausstellung fand Anfang der 90er-Jahre in Rosenheim statt. 

Die Ausstellung des Ferdinandeums ist als Widmung zu Franz von Defreggers 100. Todesjahr zu verstehen und soll zu einer Wieder- und Neuentdeckung des Künstlers führen.

Defreggers Kunst wird seit der Avantgarde oft als akademisch, konservativ und somit negativ und langweilig dargestellt. Dies führt u.a. zu einer falschen Wahrnehmung des damaligen Kunstmarkts:

"Das Künstlerische, die Avantgarden und die Modernen, auf die wir heute total abfahren, sind das eine – das kunsthistorisch Bedeutsame sozusagen. Das andere ist aber auch, dass man den Leuten, gerade auch den Laien, kein falsches Bild vom Kunstmarkt vermittelt. Um 1900 herum waren 90 % der Malerei, die verkauft wurde, von Defregger – die Avantgarden und die Modernen waren etwa 10 %. Wenn man allerdings heute durchs Museum geht, sieht man 98 % Avantgarden und vielleicht noch ein bisschen Klaus, Leibl und Defregger."

Dr. Peter Scholz
Bereichsleiter und Kustos der Älteren Kunstgeschichtlichen Sammlungen (Kunst vor 1900) am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck

Bei der Ausstellung werden nun neue Fragen gestellt und Kunstwerke gezeigt, die eine andere Seite Franz von Defreggers aufzeigen. Es werden einige Gemälde aus dem Familienbesitz der Familie Defregger ausgestellt, die größtenteils Motive zeigen, die Defregger nicht verkaufen wollte. So malte er privat beispielsweise im damals höchst umstrittenen französischen Stil sowie Aktdarstellungen, andere Nationalitäten und Hautfarben.

Auch malte er oft seine sieben Kinder und seine Frau Anna. Er war Vater von fünf Söhnen sowie zwei Töchtern, die beide bereits im Kindesalter verstarben. Auf solchen Gemälden vermerkte Defregger oft das genaue Datum oder sogar den Anlass, z.B. „Weihnachten“.

Zu Franz von Defregger

Franz von Defregger (1835 – 1921) gehörte zu den erfolgreichsten Kunstschaffenden um 1900. Er war einer der ersten Maler, die sehr intensiv mit dem Kunstverlag Franz Hanfstängl in München zusammenarbeiteten. Seine Reproduktionsgrafiken wurden weltweit hunderttausendfach verkauft – in verschiedenen Größen, Farben (Farbig/SW) und Preisklassen. Oft lassen sich heute anhand der Reproduktionsgrafiken seine Gemälde einordnen, da diese in den Hanfstängel-Listen mit Originaltitel und -datum geführt wurden.

Franz von Defregger war durch und durch Geschäftsmann. Deshalb kopierte er auch seine eigenen Gemälde, u.a. „Der Urlauber“. Die Kopien waren aber nicht immer genau gleich: Bei „Der Urlauber“ hat der Dargestellte etwa auf einem Gemälde eine Kappe auf, auf dem anderen nicht. Defregger verdiente außerdem durch den Verkauf seiner Reproduktionsrechte das Doppelte wie Gustav Klimt durch den Verkauf des Originals seines berühmten Gemäldes „Der Kuss“.

1883 wurde Franz von Defregger mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet und damit als „Ritter von“ in den Adelsstand erhoben. In Österreich sind an zahlreichen Orten Straßen nach ihm benannt, so z.B. in Graz, Innsbruck, Kufstein und St. Pölten.

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